Thomastik-Infeld kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs befasste sich Dr. Franz Thomastik (Geigenmacher und Doktor der Philosophie) mit allen für Musiksaiten in Frage kommenden Rohstoffen. Ab 1919 betrieb er seine systematischen Materialforschungen gemeinsam mit Ingenieur Otto Infeld. Die Zusammenarbeit der beiden Firmengründer erfolgte zunächst als Kooperation zweier Einzelunternehmen. Sitz der beiden Firmen war eine gemeinsame Werkstatt im 6. Wiener Ge­meindebezirk. 1921 erfolgte dann die Gründung des gemeinsamen Unternehmens als Geigenbauwerk­statt „Dr. Franz Thomastik und Mitarbeiter“.

Als Material für die Entwicklung neuer Saiten wählte Dr. Thomastik schließlich Stahl. In der Pro­duktion von Klaviersaiten, also Saiten für den angeschlagenen Ton, war Stahldraht bereits hinreichend bekannt. Das größte Problem, das es damals zu lösen galt, war, den Stahldraht durch eine besondere Verarbeitungstechnologie für den Einsatz auf Streichinstrumenten verwendbar zu machen. Die Vorteile dieses Materials lagen in der damit erzielten Stimmstabilität, der Unempfindlichkeit gegen klima­tische Veränderungen sowie in seiner deutlich höheren Lebensdauer. Auf Grundlage des österreichischen Patentes (Nr. 69060 – Bandumspinnung Dr. Thomastik vom 15. August 1914) gelang nach jahrelanger gemeinsamer Arbeit die Herstellung von Stahlsaiten. 1926 waren bereits für alle Streich­instrumente, von der Violine bis zum Kontrabass, Saiten von solider Qualität entwickelt.

Aus einem Dokument des Jahres 1942 geht hervor, dass zu Beginn der 30er Jahre bereits 50% der produzierten Saiten in den Export gingen, wobei Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika die bedeutendsten Abnehmer waren. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sowie die damit verbundene Zerstörung der Gei­gen­bauwerkstatt in den zahlreichen alliierten Bom­bar­dements der Stadt kamen die Geschäfte praktisch völlig zum Erliegen. Nach Kriegsende und dem mühevollen Wiederaufbau wurde im Juni 1946 die Produktion wieder aufgenommen. Erst 1950 erreichten die produzierten Stückzahlen wieder das Niveau der Vorkriegszeit.

Otto Infeld beim technischen Zeichnen am Zeichenbrett
Otto Infeld
Porträtfoto von Franz Thomastik
Franz Thomastik
Patenturkunde der Republik Österreich Nr. 132514
Die Patenturkunde aus dem Jahr 1933 belegt die erfolgreiche Erteilung eines Patents.
Logo von Thomastik-Infeld mit einem schwarzen kalligrafischen T im Vordergrund und einer roten Geige im Hintergrund
Der rote Violinkorpus mit der geschwungenen Initiale „T“ war von Beginn an das prägende Logo des Unternehmens.
Altes Verpackungsdesign mit geschwungenden Ornamenten, dem handgegeschriebenem Produktnamen
Altes Verpackungsdesign mit einer von hinten angestrahlten Geigenkörpersilhouette, dem handgeschriebenen Produktnamen
Es war das markante Kennzeichen aller damaligen Produktverpackungen.