Was muss beim Mischen von Saiten beachtet werden?

Wenn Sie entscheiden, Saiten außerhalb der gleichen Produktfamilie miteinander zu mischen, müssen sechs Faktoren beachtet werden, damit Sie zu einem optimalen Ergebnis kommen:
 

1. Das Kernmaterial

Kernmaterialien können innerhalb einer Satzzusammenstellung gemischt werden. Das bedeutet, dass Sie bei Violinen oder Violen beispielsweise eine Kunststoffkern-A-Saite durch eine Stahl-A-Saite ersetzen können. Mehr dazu unter: "Welche Saiteneigenschaften verändern sich durch unterschiedliches Kernmaterial?"
 

2. Die Saitenspannkraft

Sofern Sie bereits die idealen Saitenspannkräfte für das eigene Instrument gefunden hat, sollten Sie jedenfalls bei diesen bleiben – nicht nur in Summe, sondern tatsächlich pro einzelner Saite. Kennen Sie die idealen Saitenspannkräfte für ihr Instrument noch nicht, haben Sie durch das Mischen verschiedener Saiten mit unterschiedlichen Saitenspannkräften die Möglichkeit, dies auszutesten und das optimale Ergebnis zu finden. Nicht vergessen: Immer auf Anzeichen für Über- und Unterlastung achten! Information zur Saitenspannkraft und ihrer Wichtigkeit finden Sie bei: "Was ist die Saitenspannkraft?" und "Welche Auswirkungen haben Saitenspannkräfte auf Klang und Instrument?"

 

3. Die Saitenlage

Die Saitenlage ist der Abstand der Saite zum Griffbrett. Neben der Saitenspannkraft ist auch die Saitenlage ausschlaggebend für Klang und Handling. Die Saitenlage definiert den Abstand der Saite zum Griffbrett. Je nach Saitenspannkraft der leeren Saite (nicht gegriffen), Elastizitätsmodul und Abstand zum Griffbrett braucht es mehr oder weniger Kraft, um die Saite an das Griffbrett zu drücken. Je höher E-Modul und Saitenspannkraft, desto geringer ist der Abstand zwischen Griffbrett und Saite. Stahlkernsaiten haben ein hohes E-Modul, Kunststoffkernsaiten haben ein geringes E-Modul. Üblicherweise sollten bei Instrumenten mit sehr kleiner Saitenlage (geringem Abstand von Saite zu Griffbrett), Saiten mit höheren Saitenspannkräften bzw. Stahlkernsaiten (wegen des E-Moduls) verwendet werden, um die optimale Ansprache und ein ideales Linke-Hand- und Bogengefühl (Handling) zu erreichen. Bei einem Instrument mit geringer Saitenlage und einer Saite mit geringer Saitenspannkraft bzw. einer Saite mit geringem E-Modul wird die Saite durch Finger oder Bogen zu schnell ans Griffbrett gedrückt und neigt dadurch zum Rasseln. Beim Griff zu einer Saite mit höherer Saitenspannkraft ist allerdings Vorsicht geboten! Das könnte eine Überlastung des Instruments zur Folge haben. Eine für das Instrument bessere und „gesündere“ Alternative ist es, die Saitenlage vom Geigenbauer anpassen zu lassen.

 

4. Das Umwicklungsmaterial

Unterschiedliches Umwicklungsmaterial wirkt sich auf Durchmesser, Bogenansprache, Bogengeräusch, Linke-Hand-Gefühl (Rutschgefühl), Klang, Lautstärke und Korrosion aus.

UMWICKLUNG DURCHMESSER BOGENANSPRACHE BOGENGERÄUSCH RUTSCHGEFÜHL KLANG LAUTSTÄRKE KORROSIONSBESTÄNDIGKEIT BRILLANZ FLATTENING EFFEKT
ALUMINIUM größer besser stärker mittel brillanter mittel geringer höher geringer
SILBER kleiner mittel mittel größer mittel geringer mittel mittel mittel
CHROMSTAHL mittel schlechter geringer kleiner dunkler lauter höher geringer höher

 

 

5. Der Saitendurchmesser

Der Durchmesser der Saite beeinflusst das Linke-Hand-Gefühl und die Bogenansprache. Ein großer Irrtum ist, dass dünnere Saiten – sprich Saiten mit geringerem Durchmesser – immer besser ansprechen als dickere Saiten. Sofern die verglichenen Saiten dasselbe Kern- und äußere Umwicklungsmaterial sowie die gleiche Saitenspannkraft haben, ist das richtig. Variieren diese Eigenschaften jedoch, kann das nicht mehr verallgemeinert werden. 

UMWICKLUNG DURCHMESSER BOGENANSPRACHE RUTSCHGEFÜHL
ALUMINIUM größer besser mittel
SILBER kleiner mittel größer
CHROMSTAHL mittel schlechter kleiner

 

6. Die Stimmstabilitätszeit und klangliche Einspieldauer:

Saitensätze werden nicht nur im Sinne der klanglichen Lebensdauer und klanglichen Eigenschaften zusammengestellt, sondern auch unter der Voraussetzung, dass sie in sehr ähnlicher Zeit Stimmstabilität und klangliche Entfaltung erreichen. Wenn Sie nun Saiten aus unterschiedlichen Familien mischen, kann es damit auch unterschiedlich lange dauern, bis die einzelnen Saiten stimmstabil sind und sich ihr Klangpotential zur Gänze entfaltet hat.

Stahldrahtkernsaiten, aber auch Stahlseilkernsaiten sind grundsätzlich sofort und damit immer schneller stimmstabil als andere Kernmaterialien (Violin-Stahlkern-E- oder Viola-Stahlkern-A-Saite). Dennoch sind sie hinsichtlich der Stimmstabilitätszeit mit anderen Saiten gut zu mischen. 

Die klangliche Einspieldauer (= die Zeit, die benötigt wird, bis sich alle Klangfarben entfalten und der metallische Klanganteil sowie Nebengeräusche verschwinden) ist damit nicht zu verwechseln. Diese kann bei Stahldrahtsaiten wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Auch wenn bereits alle vier individuell zusammengestellten Saiten (unterschiedlicher Produktfamilien) stimmstabil sind und gespielt werden können, kann die Entfaltung ihres Klangpotentials unterschiedlich lange brauchen. 

 

 

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